Immer noch ein Tabuthema: Periode in Deutschland

Jede Frau erinnert sich sicher daran, wie es damals war, das erste Mal Blut in der Unterhose zu entdecken. Während einige sich vielleicht darüber gefreut haben, weil sie vergleichsweise spät dran waren mit der ersten Menstruation, wird es bei den meisten sicher viel Verunsicherung und Scham ausgelöst haben. Ich erinnere mich noch sehr gut daran. In meinem Freundeskreis damals war ich eine der Ersten, die ihre Periode bekamen. Es war daher umso unangenehmer mit meinen Freundinnen über das Thema zu sprechen. Die Periode als Beginn der Fruchtbarkeit, Reise zur Weiblichkeit und Entwicklung vom Mädchen zur Frau zu sehen, kam mir damals nicht in den Sinn. Stattdessen habe ich meine ältere Schwester um Rat gefragt, die auch erst etwa zwei Jahre vor mir ihre erste Periode hatte und mir daher riet, mich einfach mit Binden auszuprobieren und im Notfall Klopapier in die Hose zu stopfen. Obwohl meine Mutter mir erklärt hat, dass die Periode ganz normal sei, mir mit viel Geduld und Verständnis die Anwendung von Tampons, Slipeinlagen und Binden erklärt hat und ich auch im Schulunterricht darüber aufgeklärt wurde, war das Thema im Freundeskreis doch ein absolutes Tabuthema und mit viel Scham behaftet. Als eine Klassenkameradin einmal einen roten Fleck auf der Hose hatte wurde sie von der einen Hälfte der Klasse ausgelacht und die andere Hälfte hat beschämt weggeschaut.

Warum erzähle ich das? Ich wünsche mir, dass junge Frauen und Mädchen in der Zukunft anders mit dem Thema umgehen können. Dass die Periode normalisiert wird, es niemandem peinlich sein muss einen Blutfleck auf der Hose zu haben oder es keine riesige Überwindung benötigt, seine Klassenkameradinnen nach einem Tampon zu fragen. In der eigenen Blase mag es uns manchmal so vorkommen, dass wir alle Tabus um das Thema Periode gebrochen hätten. Schließlich leben wir im gebildeten Deutschland mit vielen Chancen, finanzieller Sicherheit und tausenden Aufklärungsmöglichkeiten. Das stimmt, im internationalen Vergleich können wir wohl sehr dankbar für unsere Situation sein. In manchen südasiatischen Ländern zum Beispiel führt die Menstruation dazu, dass Frauen und Mädchen nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und somit auch nicht in die Schule gehen. Die Ursache liegt zum Beispiel im hinduistischen Glauben, der Menstruierende als unrein ansieht. Die Folge davon ist weniger Zugang zu Bildung, wenn Mädchen regelmäßig in der Schule fehlen.

Da dürfen wir uns natürlich sehr glücklich schätzen, dass wir Zugang zu Bildung und Periodenprodukten haben. Trotzdem wachsen junge Frauen auch in Deutschland oft noch schambehaftet mit dem Thema auf. Und auch hier gibt es in einigen Haushalten finanzielle Sorgen rund um das Thema Menstruation: Eine Studie von 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass 34% der Frauen im Alter von 16-24 in Deutschland die billigsten Periodenprodukte kaufen müssen, um mit ihrem Geld hinzukommen. Die Steuersenkung der Produkte von 20% auf 10% war ein Anfang doch macht sich bei den Endkonsumentinnen leider kaum bemerkbar. Ja, auch in Deutschland gibt es Periodenarmut

Eine weitere Studie gibt an, dass es 97% der befragten Frauen unangenehm wäre, Blut auf dem Slip während der Periode zu haben. 91% nervt es, wenn sie keinen Mülleimer für ihre Periodenabfälle auf der Toilette finden können. Und 59% ist es unangenehm, wenn ihnen Tampons oder Binden aus der Tasche fallen. Im Jahr 2021, in Deutschland.

Periodenbeschwerden bei der Arbeit zu betiteln ist übrigens auch ein riesiges Tabuthema. Eine Umfrage aus dem Jahr 2020 ergibt dass nur 11% mit ihrem Vorgesetzten über Periodenbeschwerden gesprochen haben. Sollten Unterleibsschmerzen oder Krämpfe im Arbeitsumfeld nicht ähnlich betitelt werden können wie Kopfschmerzen?

Im selben Jahr gaben über 70% der befragten Frauen als häufigste Begleiterscheinung zur Periode Unterleibsschmerzen bzw. Krämpfe an. Direkt darauf folgt Reizbarkeit ein aufgeblähter Bauch und Müdigkeit. Auch starke Periodenbeschwerden sind häufig ungern gehört oder werden von einigen Ärzten und Ärztinnen nicht ernst genug genommen. 

Was können wir also tun? Lasst uns über die Periode sprechen: mit unseren Freund*innen, mit älteren Menschen, mit unseren Partner*innen, Kindern oder Enkelkindern. Lasst uns die Menstruation zu dem natürlichen Thema machen, das sie ist. Lasst uns unsere Periode feiern und jungen Frauen dabei helfen, die erste Periode als Beginn der Fruchtbarkeit, einer Reise zur Weiblichkeit und sie als Entwicklung vom Mädchen zur Frau sehen.

(Quelle der Statistiken: statista)

 

Von Frauen für Frauen.

 

 

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